Das Team von #AuchichbinDeutschland wünscht Wolfgang Fürstner alles Liebe und Gute zum 70.Geburtstag!
Was es heißt, deutsch zu sein, aber Vorurteilen aufgrund seiner Herkunft begegnen zu müssen, weiß der studierte Jurist aus eigener Erfahrung. Fürstner wurde am 21. Juli 1944 in Breslau geboren und flüchtete mit seiner Familie aus Schlesien. Eine prägende Erfahrung für ihn und seine Familie. 1978 kam Wolfgang Fürstner zum Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und übernahm 1997 die Hauptgeschäftsführung des Verbandes. 2006 bis 2011 war er geschäftsführendes Mitglied des VDZ-Präsidiums. Seiner wichtigsten Mission, dem Thema Integration, gehört seit 2008 seine volle Aufmerksamkeit: Mit der Gründung der Deutschlandstiftung Integration erfüllte sich Wolfgang Fürstner als Vorstandssprecher einen Herzensangelegenheit. Auch dafür wurde der Vater von fünf Kindern 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Stolz auf ein Land? Nein – auf eine Gesellschaft!
von Benedikt Paulowitsch 

Es erscheint zunächst müßig, noch einen Beitrag zur WM 2014, zum Triumph der deutschen Elf zu lesen. Dennoch brennt es mir unter den Fingern. Nicht wegen der zunächst rein sportlichen Leistungen von „Jogis Jungs“, sondern wegen einer Debatte, die sich alle zwei Jahre zu Europa- und Weltmeisterschaften wiederholt und doch meist die gleichen Argumente gegenüberstellt. Auf der einen Seite eine patriotische Euphoriewelle, schwarz-rot-goldene Farbenspiele und Schlaaand-Rufe. Auf der anderen Seite die Mahner, die immer wieder betonen, dass „Stolz“ das falsche Empfinden für die Erfolge einer Sportmannschaft sei und vor übertriebenen Nationalismus warnen. Diese Diskussion überdeckt Aspekte, die sehr wohl über den Sport hinausgehen und aus gesellschaftlicher Sicht positiv herauszuheben sind. Mir sind zwei Aspekte besonders wichtig.

Da wären die schon öfters erwähnten und vorbildhaften Tugenden, welche die deutsche Elf im Laufe des Turniers in Brasilien offenbarte. Der Wille zum Erfolg und das Ausreizen der persönlichen Grenzen sind für den deutschen Fußball nicht neu. Doch dass der Weg zum Erfolg auch von Freude, Spaß und Lockerheit begleitet wird, war vor gut 10 Jahren noch nicht denkbar. Die Freude an Arbeit und Leistungsbereitschaft tut jedem gut – sei er Fußballer oder Krankenpfleger, Wissenschaftler oder Arbeiter, Unternehmer oder Angestellter. Mir hat diese Mannschaft gezeigt, dass ohne die Freude am eigenen Schaffen nichts zu schaffen ist. Mehr dieser Leichtigkeit in Kombination mit Fleiß ist unserer bis heute eher pessimistisch geprägten Gesellschaft nur zu wünschen.

Die für mich zentralere Bedeutung – über den historischen Titel hinaus – erkennt man mit Blick auf die Spielerbiographien. So unterhalten sich Sympathieträger und Kultfußballer Lukas Podolski und der nun endgültig zur Legende aufgestiegene Miroslav Klose gerne auf Polnisch. Jerome Boateng, der als beinharter Innenverteidiger die ursprünglichen Fußballtugenden Deutschlands symbolisiert, ist Berliner durch und durch – und schwarz. Sami Khedira, dem tunesischen Schwaben, traute man nach seinem Kreuzbandriss nichts zu – bevor er mit selten dagewesenem Willen und Ehrgeiz punktgenau wieder fit wurde. Mezut Özil spielte zwar nicht die beste WM, war jedoch als einer der besten Spieler der Welt gesetzt – und betete vor jedem Anpfiff zu Allah.

Nun bin ich weit davon entfernt zu sagen, dass diese Spieler eine multikulturelle Ergänzung zu Müller, Schweinsteiger und Lahm sind. Nein, diese Fußballergeneration in ihrer Gesamtheit ist gemeinsam aufgewachsen, sie spielten gemeinsam in Jugendauswahlen, in Dorf- und später Bundesligavereinen, bevor manche von ihnen nach Madrid oder London wechselten. Durch gemeinsame Sozialisation ist etwas Neues entstanden, eine Synergie, eine neue Definition von Fußball. Dies ist mehr als eine bloße Addition verschiedener Kulturen und Tugenden. Getreten wird der Ball jedoch von Menschen. Die Özils, Podolskis, Schürrles und Kramers haben nicht nur gemeinsam gekickt, sondern gehen seit Jahrzehnten gemeinsam in die Schule, zum Musikverein, in die Kantine zur Mittagspause oder in die Kneipe zum Feierabendbier – nur nehmen wir dies häufig immer noch nicht bewusst wahr.

Wenn wir in diesen Tagen leichtfertig sagen „Wir sind Weltmeister“, so meinen wir nicht Menschen mit einem deutschen Reisepass. Wir meinen die Menschen, die in diesem wundervollen und vielseitigen Land zwischen Nordsee und Alpen, zwischen Ruhrgebiet und der Frankfurt/Oder gemeinsam leben, arbeiten, genießen, trauern und feiern. Egal woher sie oder ihre Eltern stammen, welche Hautfarbe sie haben, wen sie anbeten, was sie kochen oder wen sie lieben. Diese bunte Mischung ist das wahre Fundament des deutschen WM-Erfolgs. Der WM-Sieg selbst ist jedoch ein Symptom, eine Folge der zunehmenden Weltoffenheit und Toleranz unseres Landes. Dies ist ein gesellschaftlicher Erfolg. Und so weist ausgerechnet ein nationaler Siegesrausch die rückwärts gerichteten Gedanken von Nationalisten in die Schranken.

Ich bin stolz auf diese Mannschaft aufgrund ihres fairen und respektvollen und dabei schönen Spiels. Nicht auf ein Land mit seinen geographischen Grenzen oder seiner Hymne. Aber auf diese Gesellschaft, die sich in weiten Teilen geöffnet hat, womit etwas Neues entstehen konnte. Ich hoffe, dass genügend Menschen dies erkennen. Damit wir gemeinsam die teils immer noch grassierenden Vorurteile und Stereotypen, das Gerede von deutschem Blut und soziale Spannungen überwinden können. Damit denjenigen, die den Erfolg der Fußballnationalmannschaft instrumentalisieren, um ihre rassistischen und menschenverachtenden Tiraden zu legitimieren, Widerspruch von allen Seiten entgegengestellt wird. Die deutsche Nationalmannschaft hat gezeigt, dass ein solcher Weg zu einer offenen Gesellschaft erfolgreich und schön zugleich sein kann.

Daher einen herzlichen Glückwunsch an unsere Weltmeister, herzlichen Glückwunsch, Deutschland.

http://unserezeitblog.blogspot.de/2014/07/stolz-auf-ein-land-nein-auf-eine.html


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